BUNDjugend Baden-Württemberg - … und jetzt noch die Erde retten!

Ist eine Pflanze ein Patent? Privatisierung von Saatgut

Um den Begriff „Privatisierung von Saatgut“ zu erläutern, sollte zunächst ein kurzer Blick auf die heutige Landwirtschaft geworfen werden. In den letzten Jahrzehnten wurde die Landwirtschaft zunehmend industrialisiert, somit mechanisiert und rationalisiert. Spezialisierung der Bauern, größere Höfe, Massentierhaltung, intensiver Landbau tragen zur Steigerung des Ertrags und des Gewinns bei. Im Zuge dessen werden Kleinbauern verdrängt und es entstehen große spezialisierte Landwirtschaftsbetriebe und Konzerne. Im Gegensatz zu früher, als ein traditioneller Hof noch im Sinne einer Kreislaufwirtschaft betrieben wurde und alles selbst hergestellt hat, mit wenigen externen Inputs, bestehen heute separate Märkte für Tierzucht, Saatgut, Futtermittel, Düngemittel, Pestizide und Herbizide, welche die Bauern beliefern. Die Bauern beziehen heute somit ihr jeweiliges Saatgut oft von Großkonzernen und behalten nicht mehr, wie früher, einen Teil ihrer Ernte zur erneuten Aussaat.
Angeboten werden auf dem Saatgutmarkt Hybridsorten und gentechnisch verändertes Saatgut, welche die Erträge steigern sollen. Anbieter auf dem weltweiten Markt sind einige wenige Großkonzerne wie Monsanto, DuPont und Syngenta. Um ihr Saatgut zu entwickeln haben die Konzerne sich alter, herkömmlicher Sorten und uraltem Wissen der Bauern bedient. Sie benutzten kostenloses Allgemeingut, um privates, teures Saatgut herzustellen. Das Saatgut der Großkonzerne ist patentiert – es darf nicht widerrechtlich, ohne Kauf, angebaut werden. Selbst der Ausflug von Samen auf benachbarte Felder kann dazu führen, dass ein Bauer wegen widerrechtlichem Anbau angeklagt wird. Durch den ungewollten Ausflug kommt es auch zur Verunreinigung der Genetik anderer Pflanzen – der erste Schritt zum Artenverlust.
Leider entsteht auch eine große Abhängigkeit der Bauern gegenüber den Großkonzernen: Das kommerzielle Saatgut verspricht höhere Erträge und wird somit für viel Geld eingekauft. Das gentechnisch veränderte Saatgut und die Hybridsorten erlauben den Bauern keine weitere Aussaat, da die zweite Generation des Saatguts unfruchtbar bzw. nicht ertragsfähig ist. Nebenbei: Es wäre auch gar nicht erlaubt. Der Bauer muss somit jedes Jahr erneut teures Saatgut kaufen, was gerade für Kleinbauern in ärmeren Regionen eine enorme finanzielle Belastung darstellt. Ein weiterer negativer Gesichtspunkt ist, dass das gekaufte Saatgut oft doch keine höheren Erträge liefert. Die Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten, Schädlinge und sind extremen Wetterbedingungen nicht gewachsen. Im Gegensatz zu traditionellen, regionalen Sorten, die haargenau auf Wetter- und Bodenbedingungen der jeweiligen Region abgestimmt sind, sind diese Sorten nicht auf regionale Bedingungen angepasst. Dies führt zum teuren, gesundheitsschädlichen und umweltschädlichen Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden in größeren Mengen. Kein Wunder, dass große Saatgutkonzerne wie z.B. Monsanto gleichzeitig auch zu den größten Pestizidherstellerngehören. Gravierend ist zudem, dass der erhöhte Einsatz von Chemie und die falsche Anbauweise ehemalig fruchtbare Ackerböden zerstört. Zunehmende Desertifikation und Verlust der Artenvielfalt sind die Folgen. Die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort wird dadurch zerstört, aber auch weltweit gesehen, sind die Folgen deutlich zu erkennen, denn es gehen fruchtbare Ackerböden zum Anbau von Nahrungsmitteln verloren. Gentechnik und Hybridsorten sind somit eine gute Grundlage, um die Nahrungsmittelsicherung für alle Menschen auf der Welt voran zu treiben… oder?!

Elisabeth Perzl hat bis vor kurzem als FÖJlerin bei der BUNDjugend BW gearbeitet.

Dieser Artikel stammt aus kriZ Nummer 6 – die gesamte Ausgabe findest du hier.